
Dienst nach Vorschrift, kurz DnV, beschreibt das Verhalten von Mitarbeitern die ihre Arbeit exakt nach den Vorgaben erledigen, kein bisschen mehr und kein bisschen weniger. Kein Engagement darüber hinaus, keine Eigeninitiative, keine Extrameile. Der Begriff klingt nach einem Vorwurf an den Mitarbeiter. In den meisten Fällen ist er eine Beschreibung des Unternehmens das ihn hervorgebracht hat.
Dienst nach Vorschrift auf Englisch
Dienst nach Vorschrift heißt auf Englisch Working to Rule. Der Begriff kommt ursprünglich aus dem Arbeitsrecht und beschreibt eine Streikform bei der Mitarbeiter exakt die vertraglichen Mindestanforderungen erfüllen, ohne technisch streikend zu sein. Im modernen Sprachgebrauch hat er sich auf das allgemeine Verhalten ausgeweitet: jemand der nicht mehr gibt als unbedingt nötig.
Niemand wacht morgens auf und denkt sich: „Heute liefere ich mal maximalen Stillstand ab.“
Das ist das Erste was man verstehen muss wenn man über Dienst nach Vorschrift redet. DnV ist keine bewusste Entscheidung gegen das Unternehmen. Es ist eine langsame Anpassung an ein Umfeld das Engagement systematisch bestraft oder ignoriert. Und das ist ein fundamentaler Unterschied.
Was ist Dienst nach Vorschrift? Die Definition.
Dienst nach Vorschrift, abgekürzt DnV, bezeichnet ein Arbeitsverhalten bei dem Mitarbeiter exakt das tun was vereinbart oder angewiesen wurde, nicht mehr und nicht weniger. Pünktlich da, pünktlich weg. Aufgaben erledigt, keine unaufgeforderten Beiträge. Probleme gesehen aber nicht angesprochen weil es nicht im Aufgabenbereich steht.
DnV ist kein Charakterfehler. Es ist ein Anpassungsmechanismus. Und jeder Anpassungsmechanismus hat einen Auslöser.
Warum Mitarbeiter Dienst nach Vorschrift leisten
Es gibt eine ehrliche Antwort auf diese Frage. Und sie ist unbequem für viele Führungskräfte.
Vertrauen geht verloren.
Irgendwann hat jemand eine gute Idee gehabt. Hat sich eingesetzt. Hat mehr gegeben als verlangt. Und dann ist etwas passiert: die Idee wurde ignoriert, die Entscheidung von oben übergangen, das Engagement nicht anerkannt. Vielleicht einmal. Vielleicht zehnmal.
Dienst nach Vorschrift ist die mathematisch logische Konsequenz von verlorenem Vertrauen. Wer gelernt hat dass Mehrleistung nichts bringt, hört auf sie zu bringen. Das ist kein Versagen, das ist Rationalität.
Leistung wird bestraft.
In vielen Unternehmen wird Engagement nicht belohnt, es wird ausgenutzt. Wer mehr liefert bekommt mehr Aufgaben. Wer Probleme anspricht bekommt die Verantwortung dafür zugeschoben. Wer zu viel Kompetenz zeigt wird zur internen Problemlösungsressource, ohne Gehaltsanpassung.
Die Leute lernen das schnell. Und sie passen sich an.
Schlechte Bezahlung und keine Perspektive.
Wer das Gefühl hat unterbezahlt zu sein, wartet meistens auf einen besseren Job. In dieser Wartezeit wird kein Kapital mehr investiert. Warum auch? Die Extrameile gehen für ein Unternehmen das man in sechs Monaten verlassen will macht rational keinen Sinn.
Wer wirklich schuld ist
Hier wird es unbequem.
Dienst nach Vorschrift entsteht nicht aus dem Nichts. Es entsteht in Unternehmen die Menschen so behandeln dass DnV die einzig sinnvolle Reaktion ist. Unternehmen die Eigeninitiative nicht fördern. Die Entscheidungen intransparent treffen. Die Mitarbeiter als Ressource sehen statt als Menschen mit echtem Interesse an guter Arbeit.
Die Leute wurden erzogen, so zu sein. Nicht von den Eltern. Vom Unternehmen. Durch jede ignorierte Idee, jede ausgenutzte Extrameile, jede Beförderung die an jemandem vorbeigegangen ist der weniger geliefert aber besser politisiert hat.
Das bedeutet nicht dass Führungskräfte pauschal böse sind. Es bedeutet dass falsche Strukturen auch gut gemeinten Führungskräften systematisch das falsche Verhalten abverlangen.
Dienst nach Vorschrift Beispiele aus der Praxis
Es gibt natürlich noch viel mehr Beispiele, hier eine kleine Auswahl:
- Ein Mitarbeiter im Kundenservice sieht dass ein Prozess täglich Fehler produziert. Er sagt es einmal. Zweimal. Beim dritten Mal nicht mehr. Er bearbeitet die Fehler weiter, einer nach dem anderen, weil es in seiner Jobbeschreibung steht und weil er gelernt hat dass Hinweise nichts ändern.
- Ein Entwickler findet einen technischen Fehler außerhalb seines Aufgabenbereichs. Er schreibt ein Ticket. Das Ticket liegt seit drei Monaten im Backlog. Beim nächsten Mal schreibt er kein Ticket mehr.
- Ein Vertriebler hat eine Idee für ein neues Kundensegment. Er präsentiert sie im Meeting. Die Idee wird positiv aufgenommen und danach nie wieder erwähnt. Beim nächsten Meeting bringt er keine Ideen mehr mit.
Keiner dieser Menschen hat DnV als Ziel gehabt. Alle wurden dahin geführt.
Was dagegen hilft
Eigeninitiative muss sich lohnen.
Nicht in Form von Lobeshymnen, sondern konkret. Wer ein Problem anspricht bekommt Gehör und Rückmeldung. Wer eine Lösung baut bekommt Anerkennung und wo möglich Konsequenzen für die eigene Entwicklung. Das muss kein Bonus sein. Es muss nur ehrlich und konsistent sein.
Transparente Entscheidungen.
Nichts zerstört Vertrauen schneller als das Gefühl dass Entscheidungen irgendwo oben getroffen werden ohne erkennbare Logik. Wer versteht warum etwas so entschieden wurde, kann damit umgehen. Wer nur das Ergebnis bekommt fühlt sich als Objekt, nicht als Beteiligter.
Leistung nicht bestrafen.
Wer auffällt weil er gut ist, sollte gefördert werden. Nicht mit mehr Arbeit zum gleichen Gehalt. Mit echter Entwicklung, echter Verantwortung, echter Wertschätzung. Wer das nicht kann, sollte sich nicht wundern wenn die Besten irgendwann das Minimum liefern oder das Unternehmen verlassen.
Dienst nach Vorschrift ist kein Problem das sich mit Motivationsworkshops lösen lässt. Es ist ein Symptom. Und Symptome verschwinden nicht wenn man sie ignoriert oder benennt, sie verschwinden wenn man ihre Ursache behebt.
Wer Strukturen hat die DnV produzieren, hat ein strukturelles Problem. Kein personelles.
Wenn ihr merkt dass euer Team aufgehört hat die Extrameile zu gehen und wissen wollt warum, redet mit uns. Meistens liegt die Antwort nicht dort wo man zuerst sucht.
— Robert
