Headless CMS: Was es ist, was es kostet, wann es passt
Ein Headless CMS trennt die Inhalte von der Darstellung. Du pflegst Texte, Bilder und Seiten an einer Stelle, und eine Schnittstelle (API) liefert sie an Website, App oder jeden anderen Kanal aus. Das macht Websites schneller und sicherer, kostet aber mehr Arbeit beim Aufbau. Ob sich das lohnt, hängt weniger von der Technik ab als von deinem Team und deinen Plänen.
Stand: Oktober 2026.
Warum heißt das headless?
Bei einem klassischen CMS wie WordPress oder TYPO3 hängen Körper und Kopf zusammen. Das System speichert die Inhalte und baut daraus auch die fertige Seite. Der Kopf ist die Darstellung. Ein Headless CMS hat keinen Kopf: Es speichert und verwaltet nur die Inhalte. Wie sie aussehen, entscheidet ein separates Frontend, das sich die Inhalte über die API holt.
Inhalts-Backend: Hier pflegt deine Redaktion Texte, Bilder und Seiten, zum Beispiel im Sanity Studio.
API: Sie liefert die Inhalte als Daten aus, nicht als fertige Seite.
Frontend: Es baut daraus die Website, zum Beispiel mit Next.js. Seiten werden oft vorab gebaut und über ein CDN ausgeliefert.
Diese Website läuft genau so: Inhalte in Sanity, Frontend mit Next.js, ausgeliefert über Vercel.
Klassisch, entkoppelt, headless, hybrid: der Unterschied
Klassisch
Ein System für Inhalte und Darstellung, zum Beispiel WordPress oder TYPO3.
Passt für: Standard-Websites und Teams ohne Entwickler.
Entkoppelt
Das CMS bleibt, die Website wird separat gebaut, zum Beispiel WordPress mit eigenem Frontend.
Passt für: Teams, die ihr CMS behalten und das Frontend modernisieren wollen.
Headless
Nur Inhalte und API, die Darstellung ist komplett separat, zum Beispiel Sanity, Contentful, Storyblok, Strapi oder Directus.
Passt für: mehrere Kanäle und hohe Ansprüche an Tempo und Design.
Hybrid
Headless mit visuellem Editor oder Live-Vorschau, zum Beispiel Storyblok oder Sanity mit Presentation.
Passt für: Redaktionen, die headless wollen, aber sehen müssen, was sie bauen.
Was ein Headless CMS besser macht
Tempo
Seiten werden vorab gebaut und über ein CDN ausgeliefert. Ein Blogpost dieser Website erreicht in PageSpeed Insights mobil 97 von 100 Punkten (Messung vom 26.10.2026).
Sicherheit
Die Website hat keine Login-Seite und keine Plugins im Frontend. Das macht die Angriffsfläche kleiner.
Ein Inhalt, viele Kanäle
Website, App, Newsletter oder Infoscreen ziehen aus derselben Quelle.
Freiheit im Design
Das Frontend hängt an keinem Theme des CMS.
Weniger Update-Stress
Kein Plugin-Zoo, der bei jedem Update bricht.
Was du ehrlich wissen musst
Ohne Entwicklung geht nichts. Das Frontend baut ein Entwickler. Theme installieren und loslegen gibt es nicht.
Mehr Konzeptarbeit vorab. Welche Felder hat ein Blogpost, eine Leistung, eine Referenz? Das planst du vor dem ersten Inhalt.
Vorschau kostet Aufwand. Damit die Redaktion sieht, wie eine Seite aussieht, muss die Vorschau eingerichtet werden.
Kein Plugin für alles. Kontaktformular, Suche oder Newsletter kommen als eigener Code oder externer Dienst.
Umstellung für die Redaktion. Wer jahrelang in WordPress gearbeitet hat, braucht eine Eingewöhnung.
“Ein Headless CMS ist kein Upgrade, das jede Website braucht. Es lohnt sich, wenn Tempo, mehrere Kanäle oder ein altes CMS dich ausbremsen. Für eine kleine Website mit fünf Seiten reicht WordPress völlig.”
Wofür sich ein Headless CMS eignet
Ein Headless CMS spielt seine Stärken aus, wenn Inhalte an mehr als einer Stelle gebraucht werden oder die Website schnell sein muss. Typische Fälle:
- Website und App mit denselben Inhalten
- Mehrsprachige Websites, DE und EN aus einem System
- Websites, bei denen Ladezeit und Google-Ranking zählen
- Ablösung eines alten CMS, das kaum noch jemand pflegen will
- Inhalte für Shop, Händlerportal oder Infoscreens
Was kostet ein Headless CMS?
Die Lizenz ist selten das Problem. Fast alle Anbieter haben einen kostenlosen Einstieg. Teuer wird es bei Umsetzung und Pflege.
Sanity: kostenlos bis 20 Nutzer und 10.000 Dokumente, bezahlt ab 15 US-Dollar pro Nutzer und Monat (Preise (öffnet in neuem Tab)).
Contentful: kostenlos mit 10 Nutzern und 100.000 API-Aufrufen pro Monat, bezahlt ab 300 US-Dollar pro Monat (Preise (öffnet in neuem Tab)).
Storyblok: kostenlos mit 1 Nutzer, bezahlt ab 99 US-Dollar pro Monat (Preise (öffnet in neuem Tab)).
Strapi: selbst gehostet Open Source (MIT), Strapi Cloud ab 35 US-Dollar pro Monat (Preise (öffnet in neuem Tab)).
Directus: selbst gehostet kostenlos für Firmen unter 5 Mio. US-Dollar Umsatz und unter 50 Mitarbeitenden, Cloud ab 99 US-Dollar pro Monat (Preise (öffnet in neuem Tab)).
Stand der Preise: 27.10.2026, ohne Steuern. Prüf vor deiner Entscheidung die aktuelle Preisseite.
Dazu kommen das Hosting für das Frontend, zum Beispiel Vercel oder ein eigener Server, die Umsetzung und die laufende Pflege. Bei den meisten Projekten sind das die größten Posten, nicht die Lizenz.
Wann ein Headless CMS nicht passt
- Du brauchst nur eine einfache Website. Für ein paar Seiten reicht WordPress oder ein Baukasten.
- Niemand in deinem Umfeld entwickelt. Dann wird jede Layout-Änderung zum Auftrag.
- Deine Redaktion will alles per Drag-and-drop bauen. Das geht headless nur mit Zusatzaufwand.
- Das Budget reicht nur für den Start. Ohne Pflege veraltet auch die schnellste Website.
Und wann es passt: wenn deine Website schnell sein muss, mehrere Kanäle bedient, mehrsprachig ist oder dein altes CMS mehr Zeit frisst, als es spart.
Wo liegen die Daten?
Für Firmen im DACH-Raum ist das oft die entscheidende Frage: Liegen die Inhalte in der EU, und gibt es einen Auftragsverarbeitungsvertrag (AVV)?
Sanity: Inhalte bei Google Cloud in Belgien (Region europe-west1, St. Ghislain), Backups in mehreren EU-Regionen. Die Nutzerverwaltung von Sanity liegt teils in den USA. Data Processing Addendum online (Quelle (öffnet in neuem Tab)).
Contentful: Standard in den USA. EU-Speicherung (Irland, Backup Frankfurt) nur als Zusatz im Premium-Tarif (Quelle (öffnet in neuem Tab)).
Storyblok: Region bei der Anlage wählbar: Europa, USA, Kanada, Australien. EU-Hosting bei AWS in Frankfurt, AVV im Profil herunterladbar (Quelle (öffnet in neuem Tab)).
Strapi: selbst gehostet dort, wo dein Server steht. Strapi Cloud: Region bei der Anlage wählbar, darunter Europe West (Quelle (öffnet in neuem Tab)).
Directus: selbst gehostet dort, wo dein Server steht.
Wichtig: Bei allen Anbietern liefert ein CDN die Inhalte weltweit aus. Der Datenstandort beschreibt, wo gespeichert wird, nicht wo ausgeliefert wird.
Weitere Kriterien bei der Auswahl: Kommt deine Redaktion damit klar, und gibt es eine Vorschau? Wie werden Sprachen gepflegt? Wie gut ist die Bildverwaltung? Was kostet es bei mehr Nutzern und Aufrufen? Und kommst du mit deinen Inhalten wieder raus?
Bekannte Headless-CMS im Überblick
Sanity
Flexibles Inhaltsmodell, Studio im eigenen Code anpassbar, Zusammenarbeit in Echtzeit. Für Teams mit Entwicklern, die viel anpassen wollen.
Wir bauen mit Sanity, weil sich das Studio im Code an jedes Projekt anpassen lässt und der kostenlose Einstieg für viele kleinere Websites reicht.
Contentful
Etabliert im Konzernumfeld. Für große Organisationen mit Budget.
Storyblok
Visueller Editor, Region wählbar. Für Redaktionen, die sehen wollen, was sie bauen.
Strapi
Open Source, selbst hostbar. Für Teams, die Server und Daten selbst kontrollieren wollen.
Directus
Open Source, setzt auf eine bestehende SQL-Datenbank auf. Für Projekte mit vorhandener Datenbank.
Von WordPress oder TYPO3 zum Headless CMS
Wie der Wechsel von WordPress konkret aussieht, steht in unserem Beitrag zur WordPress-Alternative. Eine TYPO3-Ablösung zeigen wir bald an einem echten Projekt.
- Inventur: Seiten, Inhaltstypen und Medien erfassen, Überflüssiges streichen
- Inhaltsmodell planen, bevor migriert wird
- Inhalte per Skript migrieren, nicht per Copy-and-paste
- Frontend bauen
- Jede alte URL per Weiterleitung auf die neue, sonst gehen Rankings verloren
- Nach dem Start Indexierung und Fehler in der Search Console prüfen
Häufige Fragen
Nicht von Haus aus. WordPress ist ein klassisches CMS. Über seine REST-API lässt es sich aber headless betreiben, dann baust du das Frontend separat.
Der Einstieg ist bei Sanity, Contentful, Storyblok und Strapi kostenlos (Stand 27.10.2026). Die großen Posten sind Umsetzung, Hosting des Frontends und Pflege.
Das hängt von Anbieter und Tarif ab. Prüf, wo die Inhalte gespeichert werden und ob es einen AVV gibt. Bei selbst gehosteten Systemen wie Strapi oder Directus entscheidest du den Standort selbst.
Ja, für das Frontend. Die Pflege der Inhalte danach läuft ohne Entwickler.
Lohnt sich der Wechsel für deine Website?
Beschreib uns kurz, was deine Website heute bremst. Wir sagen dir ehrlich, ob ein Headless CMS die Lösung ist oder ob dein jetziges System reicht.